Eben noch ein gängiges «Tram 2000», jetzt ein stimmungsvolles Event-Tram. Wir zeigen ein Video der Metamorphose und lassen Projektleiter Cyril Baschung berichten, worin die grössten technischen Herausforderungen bestanden.
Ein komplettes Make-Over und eine steile Karriere mit neuer Rolle im Pensionsalter: Was ein bisschen nach Hollywood klingt, wird für ein «Tram 2000» aus der VBZ-Flotte wahr: In einem coolen Bistrot-Look dient es nämlich ab 3. April 2025 als rollendes Event-Lokal. Möglich gemacht haben das vor allem die Fachleute aus dem Unternehmensbereich Technik der VBZ. Mit vereinten Kräften haben sie aus dem Transportmittel ein multifunktionales Event-Tram erschaffen. Wir haben diesen Prozess in einem Video festgehalten und dem Projektleiter Cyril Baschung fünf Fragen zu den Herausforderungen besagter Metamorphose gestellt.
Worin bestanden die grössten Herausforderungen beim Umbau des Fahrzeugs?
Das Fahrzeug sollte möglichst vielseitig einsetzbar sein. Dieser Anspruch brachte sicher die grösste Anzahl zu lösender Problemstellungen mit sich, sowohl bei der Planung als auch in der Umsetzung. Was wir erreicht haben, ist nun auch das Alleinstellungsmerkmal des Fahrzeugs: So ist es beispielsweise möglich, sämtliche Vierer-Tische und Bänke zu entfernen beziehungsweise zu einer Eventbestuhlung (mit Blick in die Fahrzeugmitte) umzubauen. Im Heck lassen sich die Tablare, die Wagen mit den Thermoports (also den Transportbehältern für die Menüs) und die Kühlschränke modular einsetzen. So kann das Fahrzeug optimal an den jeweiligen Anlass angepasst werden. Nebst kulinarischen Fahrten sollen nämlich beispielsweise auch Vorlesungen und Fahrten mit Musik oder Theater durchgeführt werden können.
Wie gross war der Aufwand für die Zentralwerkstatt?
Wir haben – mit Ausnahme beispielsweise der Metallstangen an den Sitzen,– alles1 eigenhändig in unserer Zentralwerkstatt angefertigt. Dabei waren fast alle2 Abteilungen der Technik involviert. Das Projekt – es umfasste insgesamt 5’500 Stunden – im Alltagsgeschäft unterzubringen war organisatorisch anspruchsvoll. Die Zentralwerkstatt ist eigentlich ausgelastet.
Die Anforderungen an den Brandschutz in einem Tram sind sehr hoch. Was bedeutete das für die Auswahl der Materialien?
Die Brandschutz-Zertifizierung war ein sehr grosses Thema. Das Fahrzeug ist bahnkonform, das bedeutet, es entspricht den strengsten Brandschutzvorgaben. Allerdings ist es nicht einfach, bereits zertifizierte Materialien in Kleinmengen zu erhalten. Bestimmte Teile mussten wir daher selbst zertifizieren lassen, die Sitzpolster zum Beispiel. Das bedeutete, die schwer entflammbaren Materialien zunächst zu identifizieren und sie dann in einem Brandschutzlabor auszutesten. In diesem Labor mussten wir tatsächlich ganze Sitze testweise verbrennen lassen. Auch punkto Belichtung war Kreativität gefragt.
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Klingt nach spannenden Prozessen – das hat doch bestimmt auch Spass gemacht?
Auf jeden Fall! Die Kolleginnen und Kollegen hatten besondere Freude an den nicht alltäglichen Arbeiten. Vieles davon werden sie so wahrscheinlich nie mehr umsetzen können. Beispielsweise wurde auch eine der Türen des Fahrzeugs ausgebaut, um an deren Stelle einen zusätzlichen Fensterplatz zu schaffen. Die entsprechende Seitenwand hatten wir einem ausgemusterten Tram 2000 entnommen.
Das klingt abenteuerlich. Es hält doch hoffentlich am Ende auch alles gut?
Keine Angst, gerade der Austausch der Türe war keine Hexerei für unser Team, schliesslich sind das Profis. Und natürlich durchlaufen wir mehrere Qualitätssicherungen. Es handelt sich um die gleichen Prozesse, wie man sie auch nach einer Revision hat: Die Leitungen, Anschlüsse, kurzum alle elektrischen Teile werden kontrolliert. Ebenso wird geprüft, ob alles richtig montiert und lackiert wurde. Und natürlich gibt es Bremstests und Probefahrten.
Die Metamorphose
Die Entstehung des neuen Event-Trams im Zeitraffer.
Alles über das neue Event-Tram
Sie möchten mehr Informationen? Hier erfahren Sie alles über das Angebot des neuen Event-Trams, Tickets und die geschlossenen Fahrten: eventlinie.ch
Zur Medienmitteilung vom 25. Februar 2025
1 «Alles» bedeutet : Der Austausch einer Türe zu einem Sitzplatz mit Fenster, der Einbau der Küchenelemente, der Bildschirme und der Soundanlage, verschiedene Schränke, eine Schiebetüre, Arbeitsflächen, Garderobe, Sitze und Tische, Stromanschlüsse, die gesamte Beleuchtung, Folierung, Versiegelung des Bodens.
2 «Alle» bedeutet: Elektriker, Disposition, Dienstleistungen, Fahrzeugschlosserei, Detailschlosserei, Schreinerei und Sattlerei, Komponenten, Revisionen (diverse Abteilungen)