Affoltern ist nicht nur ein Wohnquartier am Stadtrand. Zwischen Versuchsfeldern, Forschungsinstituten und genossenschaftlichen Siedlungen zeigt sich, wie Natur, Wissenschaft und moderne Stadtentwicklung zusammenwirken. Nach den drei Tipps vom letzten Beitrag zeigen zwei weitere Tipps eine weniger bekannte Seite des Quartiers.
Tipp 4: Agroscope Reckenholz – Wissenschaft im Grünen
Ausserhalb Affolterns, auf freiem Feld zwischen Bahnhof und Autobahn, liegt der Agroscope-Standort Reckenholz. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1875 zurück, als Friedrich Gottlieb Stebler hier eine Samenkontrollstation gründete und damit den Handel mit Saatgut und Futtermitteln modernisierte. 1877 wurde an der ETH eine offizielle Station eingerichtet, die Stebler während 42 Jahren leitete. Heute prüft das Saatgutlabor jährlich über 6’000 Proben von mehr als 200 Pflanzenarten und sichert die Qualität von Saatgut mit Weltruf.

Als Schweizer Kompetenzzentrum für Agrarforschung führt Agroscope auf dem weitläufigen Gelände Feldversuche, Saatgutprüfungen und Forschungen zu Ernährung, Biodiversität und nachhaltiger Landwirtschaft durch. Im Rahmen einer Führung vermittelt ein Spaziergang zwischen Versuchsfeldern, Pflanzenversuchen und Klima-Gewächshäusern hautnah, wie eng Wissenschaft und Natur miteinander verzahnt sind. Agroscope Reckenholz bietet für Gruppen geführte Besichtigungen an. Das Restaurant Giardino steht auch externen Gästen offen für das Mittagessen. Mit dem Bus 44 ist Reckenholz gut erreichbar vom Bahnhof Affoltern aus.
Tipp 5: Baugenossenschaften prägen Quartier
Affoltern ist seit langem ein Labor des modernen städtischen Lebens und der städtischen Wohnbaupolitik. Bis ins 20. Jahrhundert hatte der Stadtteil noch dörflichen Charakter. Auf einem Spaziergang durch das Quartier zeigt sich, wie Baugenossenschaften Affoltern seit dem Zweiten Weltkrieg geprägt haben: Sie schufen bezahlbaren, gemeinschaftlichen Wohnraum und gaben dem Quartier sein typisches Siedlungsbild mit begrünten Höfen und Gemeinschaftsräumen.
Ein prominentes Beispiel ist die Baugenossenschaft GISA, die 1946 gegründet wurde. Sie entwickelte 1948/49 in Neuaffoltern ihre erste Siedlung «Holzmatt» und realisiert aktuell das Ersatzneubauprojekt «Binzmühle» mit über 200 Wohnungen. In Affoltern gibt es rund zwei Dutzend Baugenossenschaften mit insgesamt über 2 000 Wohnungen. Dazu zählen grosse Genossenschaften wie die Waidmatt mit über 500 Wohnungen oder die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich mit knapp 500 Wohnungen in den Siedlungen Ruggächer und Wolfswinkel – ebenso kleinere wie die Siedlung Obsthalden mit rund 140 Wohnungen, von denen etwa ein Drittel von der Stadt subventioniert wird.



Die Stadt Zürich bietet regelmässig kostenlose Rundgänge zur Quartierentwicklung an, bei denen die siedlungsgeschichtliche Entwicklung von Affoltern im Fokus steht – diese führen unter anderem auch zu genossenschaftlichen Siedlungen. Mehr zu den Zürcher Stadtspaziergängen unter diesem Link.
Hier geht es zu Teil 1 des Beitrags.

