Es gibt Stars und Mauerblümchen. In Zürich gehören die Altstadt und die See-Quartiere zu den Stars. Affoltern dagegen fristet eher ein Mauerblümchen-Dasein. Ist mehr Dorf als Stadt, hauptsächlich Wohnquartier und bis heute ohne Tram-Anschluss. Dabei ist auch Zürich-Affoltern eine Reise wert. Wir nehmen Sie mit in eines der meistunterschätzten Quartiere und geben fünf Tipps - drei heute und zwei weitere im nächsten Beitrag.
Tipp 1: Käferberg – grüne Lunge der Stadt
Bei der Wahl zwischen Käferberg und Katzensee fällt die Entscheidung bewusst auf den Käferberg, da der Badesee vielen bekannt und im Sommer oft überlaufen ist. Den Käferberg teilt sich Affoltern mit Wipkingen und Höngg, zugleich trennt er das Quartier von der Innenstadt. Mit seiner sonnigen Hanglage ist er die grüne Lunge von Affoltern und ein beliebtes Naherholungsgebiet mit viel Natur und Leben. Seinen Namen hat der Käferberg übrigens von einem Waldstück, in dem früher besonders viele Maikäfer vorkamen.
Nach der Eingemeindung von 1934 wandelte sich Affoltern allmählich vom Bauerndorf zum städtischen Wohnquartier. Einen speziellen Superlativ bietet das Krematorium Nordheim auf der schattigen Nordseite des Käferbergs: Mit rund 7’000 Einäscherungen pro Jahr ist es das grösste Krematorium der Schweiz.



Eine gut vier Kilometer lange Rundwanderung durch den Käferberg-Wald beginnt am Bucheggplatz, der bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Der Weg führt vorbei am familienfreundlichen Eichhörnliweg, weiter zum Waidbad mit Grill- und Spielplatz und zum Aussichtspunkt Waid auf Höngger Gebiet. Von dort bietet sich ein herrlicher Blick auf Zürich, bevor die Route zurück zum Ausgangspunkt führt.
Tipp 2: Zehntenhausplatz – Quartierzentrum im Wandel
Zugegeben, das Gebiet um den Zehntenhausplatz wirkt heute als verkehrsreicher Knotenpunkt wenig einladend. Doch mit dem geplanten rückversetzten Zentrumsplatz und Zehntenhausgarten soll ein neues, attraktives Quartierzentrum entstehen. Vorgesehen ist eine umfassende Aufwertung mit hochwertigem öffentlichem Raum. Dazu gehören Bäume, Begegnungszonen, Sitzgelegenheiten und die neue Tramhaltestelle. Dank des Tram Affoltern wird der Platz direkt mit der Innenstadt verbunden und seine Funktion als Treffpunkt und Quartierszentrum gestärkt.



Ein zentrales Element dieser Entwicklung ist die Sanierung des historischen Zehntenhauses zwischen Platz und Bahnhof. Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert wird von der Stadt Zürich für rund 10,7 Millionen Franken umfassend erneuert und erhält einen modernen, grosszügig verglasten Quartiertreff. Dieser soll als lebendiges Gemeinde- und Quartierzentrum dienen. Begrünte Fassaden, zusätzliche Bäume und eine nachhaltige Energieversorgung verbessern Aufenthaltsqualität und Biodiversität. Die Bauarbeiten begannen Ende 2025 und dauern bis ins Frühjahr 2027.
Tipp 3: Kirchen-Spaziergang von der Stadt aufs Land
Schlagzeilen machte kürzlich der Wunsch der Katholischen Kirche, die Haltestelle «Einfangstrasse» in «Kirche St. Katharina» umzubenennen. Ziel ist es, dem modernen Kirchenbau von 1972 mehr Sichtbarkeit als wichtiges Begegnungszentrum zu geben, da er nicht sofort als Sakralbau erkennbar ist. Nur wenige Gehminuten entlang der Wehntalerstrasse stadteinwärts steht die im gleichen Jahr eingeweihte reformierte Kirche Glaubten bei der Haltestelle «Glaubtenstrasse».
Ein architektonisches Kontrastprogramm bietet der Spaziergang von diesen beiden modernen städtischen Kirchen an der Wehntalerstrasse Richtung Norden. Über die Fronwaldstrasse führt der Weg an Sportanlagen und Wald vorbei zur alten reformierten Kirche Unterdorf im ländlichen Unteraffoltern. Im Mittelalter gehörte Affoltern noch zur Kirchgemeinde Höngg. Erst 1683 erhielt das Dorf eine eigene Kirche im spätbarocken Stil.



Heute nutzt die reformierte Kirchgemeinde die Kirchen Unterdorf und Glaubten abwechselnd für die Sonntagsgottesdienste. Von der Stadt Zürich wird die Kirche Unterdorf zusätzlich als Abdankungskapelle für den an die Kirche angrenzenden Friedhof verwendet. Von hier sind es nur fünf Gehminuten zurück zum Bahnhof Affoltern.


