Tschüss Windeltram

Für einige Tramlinien ist mit dem Fahrplanwechsel Ende 2025 eine neue Zeit angebrochen. Und damit auch für die Menschen, die sich an «ihre» Linie gewöhnt haben und Erinnerungen mit ihr verbinden. Im Rahmen eines Wettbewerbs haben Frauen und Männer jeden Alters ihre Geschichten rund um ihre Lieblingslinie mit uns geteilt. Lesen Sie hier die heiteren, nachdenklichen und berührenden Andenken an die «ursprünglichen» Linien 2, 4, 5, 8 und 11. Heute erzählt Jasmin Wyrsch, was sie mit der Linie 4 verbindet.

Spätestens seit der Geburt unseres heute vierjährigen Sohnes Elio sind die Tramlinien der Stadt Zürich ein fester Bestandteil unseres Alltags. Sie haben uns nicht nur (mit viel Unterhaltung, aber auch einigen nervlichen Grenzerfahrungen, siehe weiter unten) als Familie von A nach B gebracht, sondern auch ganz wesentlich das Aufwachsen unseres kleinen Tram-Enthusiasten begleitet.

Dank den Trams hat er zuerst die Farben gelernt – kurz darauf folgten Zahlen und erstaunlich früh auch Buchstaben, gelesen auf Zielanzeigen und Haltestellenschildern. Mit drei Jahren kannte er das Zürcher Tramnetz so gut, dass wir ihn theoretisch an irgendeiner Haltestelle hätten aussetzen können – er wäre problemlos nach Hause gekommen (keine Sorge, haben wir natürlich nicht gemacht).

Da seine Motivation, windelfrei zu werden, eher bescheiden war, haben wir das «Tschüss-Windel-Tram» ins Leben gerufen: es holt die Windeln der «grossen» Kinder in der Nacht ab und verteilt sie den Babys der Stadt Zürich. Dank dieses Trams (welches übrigens die Nr. 1 trägt ) war Elio von heute auf morgen trocken.

Könnte Elio immer das Programm bestimmen, würden wir den ganzen Tag nur im Tram sitzen und von Endstation zu Endstation fahren (oder alternativ das Trammuseum besuchen). Öfters sorgt er dabei unterwegs für Unterhaltung: Elio kündigte bereits als 2-jähriger lauthals die nächste Station jeweils schon vor der Durchsage an, beobachtet mit grosser Konzentration das Öffnen und Schliessen der Türen und zeigt sich deutlich unzufrieden (oder hat sich auch schon mehrmals geweigert einzusteigen), wenn statt eines Tram 2000 ein weniger geschätztes Flexity einfährt. Nach dem Aussteigen gehörte ausserdem lange ein fester Programmpunkt dazu: Wir mussten jeweils noch nach vorne rennen, damit er allen Tram-Chauffeurinnen und -Chauffeuren enthusiastisch zuwinken konnte – ein Abschiedsritual, das wir kaum je auslassen durften. Und der Weg war meist lang, weil sein Lieblingsplatz befindet sich entweder ganz hinten im Tram (Flexity und Cobra) oder in der Mitte des gekoppelten Tram 2000 – wobei er sich jeweils laut beschwert, wenn jemand diesen Platz bereits innehat.

In den ersten zwei Lebensjahren war das 4i-Tram sein persönliches «Haustram», inzwischen hat der 2er diesen Ehrenplatz übernommen.

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