Warum explodiert der Böögg und schmilzt nicht? Woher kommt sein Name? Solche und weitere Fragen haben wir René Kalt, Altzunftmeister und Herausgeber eines Kinderbuchs zum Zürcher Sechseläuten, gestellt. Die Antworten finden Sie in diesem Artikel. Ausserdem verlosen wir drei Exemplare des Buches «Am Zürcher Sechseläuten».
Sobald die Turmuhr am Abend des kommenden Montag sechsmal schlägt, entflammt der Feurigste aller Schneemänner erneut für den Frühling. Wer so für die Stadt und ihre Jahreszeiten brennt, hat eine Würdigung verdient. Wir haben deshalb René Kalt, Altzunftmeister und Herausgeber des Kinderbuchs «Am Zürcher Sechseläuten», sechs Fragen rund um den Böögg und das Sechseläuten gestellt, um die Hintergründe der Tradition beleuchten. Das Buch gibt es am Ende des Artikels übrigens zu gewinnen.
Herr Kalt, welches Sechseläuten-Jahr hat sich in Ihrer Erinnerung am meisten eingeprägt und warum?
Es gibt viele Sechseläuten, an die ich mich gut erinnere. Als Zunftmeister natürlich an das erste in dieser Funktion. Aber vor allem an 1993, als der Böögg vom Holzstoss kippte. Da war das zünftige Ego etwas angekratzt. Und für die Basler Fasnacht war das Hauptsujet geboren.
Wie würden Sie den Zürcher Stadtheld, den Böögg, einem Kind beschreiben, das Ihr Buch noch nicht gelesen hat?
Ein freundlicher Kerl, der nichts anderes im Sinn hat, als den Zürchern den Frühling zu schenken.
Bleiben wir beim Kind: Wie kommt es, dass der Schneemann explodiert und nicht schmilzt?
Wenn der Böögg nur schmelzen würde, würde niemand merken, dass der Frühling im Anzug ist. Eine Explosion weckt den letzten Zürcher und die letzte Zürcherin um ihnen zu sagen: Fertig gefroren, jetzt geht’s temperaturmässig aufwärts.
Im 19. Jahrhundert wurden unterschiedliche Stroh-Figuren verbrannt: Eine «Influenza» zum Beispiel, das Abbild eines römischen Legionärs zu Kriegszeiten oder während des städtischen Defizits das eines alten Mannes mit Schuldensack. Wie kam es, dass diese «Sorgen-Symbolfiguren» dem Böögg Platz gemacht haben?
Menschen halten sich an Symbolen und deren Kraft fest. In diesen Zeiten kämpfte man mit allerlei Unbill: der Pest, dem Krieg, der Grippe oder dem fehlenden Geld. Es zu verbrennen tat gut, weil man sich damit Hoffnung für eine rasche Linderung oder Verabschiedung des Missstandes versprach. Der Böögg in seiner heutigen Gestalt setzte sich als Symbol für den Winter gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch.
Wieso heisst der Böögg Böögg?
Man sagt ja auch heute im Umgangston, «ummeböögge» – also Ausgelassenheit leben. Das war einer der wenigen Momente, wo die Zürcher damals aus sich herauskommen konnten. Doch der Kirche und der Politik war diese Ausgelassenheit und das Verbrennen einer Puppe, damals noch am Fusse des Lindenhofs, ein Dorn im Auge. Also verbot die Obrigkeit das «Butzen- und Bööggenwerk» per Ratsbeschluss. Ab 1892 übernahm schliesslich das Sechseläuten Central Comitee (das heutige Zentralkomitee der Zünfte Zürichs) die Organisation des Sechseläutenfeuers.
Die Glocke der Grossmünsterkirche läutete am Sechseläuten ursprünglich die neu geltende Arbeitszeit ein: Diese endete in Zeiten ohne elektrisches Licht um 18 Uhr und im Winter um 17 Uhr, weil man später am Abend nämlich nicht mehr genug sah. Um welche Uhrzeit machen Sie üblicherweise Feierabend?
Die Arbeitszeiten verschwimmen, mein Feierabend ist undefiniert, genau so wie der Arbeitsbeginn.

So kommen Sie ans Zürcher Sechseläuten
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Gewinnen Sie eins von drei Kinderbüchern «Am Zürcher Sechseläuten»
Das erstmals im Jahr 1964 erschienene und von René Kalt herausgegebene Kinderbuch ist der perfekte Einstieg ins Sechseläuten für die Nachwuchs-«Zöifter». Kindergerechte Illustrationen zeigen den Sechseläutenumzug aus der Sicht der Tiere, die ihre Zunft begleiten oder in deren Wappen vorkommen. Dazu enthält das Buch einen Böögg-Bastelbogen.
Schreiben Sie uns eine kurze Nachricht unter wettbewerb@vbz.ch mit dem Betreff «Sechseläuten», ihren Namen und ihrer Adresse. Die Daten werden nur für die Verlosung verwendet.
Kein Glück bei der Verlosung gehabt? Sie können das Buch auch direkt beim Herausgeber René Kalt für 35 Franken unter zunftshop@ggaweb.ch bestellen.

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Titelbild: Wikimedia Commons



