Mit Präzision und Teamgeist an die Tram-EM

Am 19. September wird es ernst: Valentin Ammann und Anina Lara Knecht vertreten die VBZ an der Tram-EM in Warschau. Ihr Ticket dafür haben sich die beiden bei der internen Vorausscheidung gesichert. Im Interview erzählen sie, wie aus zwei Trampiloten ein eingespieltes Team wurde, was sie in Warschau erwartet und weshalb neben Ehrgeiz auch eine Portion Glück dazugehört.

Ihr habt euch bei der internen Vorausscheidung gegen die anderen Teams durchgesetzt. Wie gross ist die Vorfreude auf Warschau?

«Die ist natürlich riesig», sind sich beide einig. Anina sei ohne grosse Erwartungen in die Vorausscheidung gestartet. Schliesslich spiele bei einigen Aufgaben neben fahrerischem Können auch eine Portion Glück mit. «Umso grösser war die Freude, als feststand, dass wir tatsächlich gewonnen haben.» Auch Valentin freut sich auf das bevorstehende Abenteuer. Nach Abschluss aller Disziplinen habe er zwar bereits das Gefühl gehabt, dass es für eine gute Platzierung reichen könnte. Dass die beiden am Ende tatsächlich ganz oben standen und nun gemeinsam nach Warschau reisen dürfen, sei ein ganz besonderes Gefühl der Freude gewesen.

Konntet ihr euch auf die Vorausscheidung überhaupt vorbereiten?

Nur bedingt. «Wir machen unsere normalen Dienste und das, was zu unserer täglichen Arbeit gehört», erklärt Valentin. Viele Fähigkeiten, die bei der Vorausscheidung gefragt waren, gehören zwar zum Berufsalltag eines Trampiloten. Die konkreten Aufgaben lassen sich jedoch kaum trainieren. «Man übt ja nicht plötzlich Notbremsungen, nur um möglichst genau an einem bestimmten Punkt zum Stillstand zu kommen.»

Welche Disziplin ist euch besonders in Erinnerung geblieben?

Beide müssen nicht lange überlegen: das präzise Anhalten mit der dritten Türe. Dabei galt es, das Tram innerhalb einer vorgegebenen Zeit so anzuhalten, dass eine Markierung an der dritten Türe möglichst exakt mit einer Markierung neben dem Gleis übereinstimmte. «Das hat mir richtig Spass gemacht», erzählt Valentin. Auch Anina zählt die Aufgabe zu ihren Favoriten – obwohl ihre Nerven dabei ordentlich gefordert waren. Nach aussen habe man ihr die Nervosität allerdings kaum angesehen.

Ihr kanntet euch vor der Vorausscheidung kaum. Wie seid ihr zu einem Team geworden?

Mehr oder weniger durch Zufall. Valentin hatte ursprünglich eine andere Kollegin gefragt, ob sie mit ihm antreten möchte. Diese konnte zwar nicht teilnehmen, kannte aber Anina, die ebenfalls noch auf der Suche nach einem Teammitglied war. So fanden die beiden zusammen. Mehr als flüchtig vom Sehen kannten sie sich vorher nicht. Umso überraschender war, wie gut die Zusammenarbeit auf Anhieb funktionierte. «Bei den Disziplinen haben wir uns wirklich sehr gut ergänzt», erzählt Valentin. Wenn einer der beiden bei einer Aufgabe weniger Punkte holte, konnte der andere dies häufig wieder ausgleichen. Aus zwei Trampiloten, die sich vorher kaum kannten, wurde damit ziemlich schnell ein erfolgreiches Duo.

Auch beim Umgang mit Nervosität scheint ihr unterschiedlich zu sein.

Das stimmt. Anina beschreibt sich als jemanden, der nach aussen sehr ruhig wirkt, während es innerlich ganz anders aussehen kann. «Auf einer Skala von eins bis zehn bin ich innerlich vielleicht bei einer Sieben. Nach aussen sieht man mir aber höchstens eine Zwei oder Drei an.» Bei Valentin ist es beinahe umgekehrt. Innerlich könne er deshalb relativ ruhig bleiben, während man ihm die Vorfreude und Energie nach aussen deutlich anmerke.

Was erwartet euch nun in Warschau?

Am Donnerstag, der 17. September reist das Duo nach Polen. Bereits am Freitag steht ein Trainingstag auf dem Programm. Dieser ist besonders wichtig, denn gefahren wird nicht mit einem Zürcher Flexity, sondern mit einem für die beiden unbekannten Fahrzeugtyp aus Polen. «Ich war vor einem Jahr schon einmal in Warschau und kenne den dortigen Trambetrieb ein wenig», erzählt Valentin. Selbst am Steuer eines Warschauer Trams gesessen sei er aber noch nie. Deshalb wolle er sich vorab mit dem Fahrzeugtyp beschäftigen und beispielsweise herausfinden, wo sich die Türen befinden und ob es Gemeinsamkeiten mit den Zürcher Trams gibt. Anina verfolgt dagegen eine etwas andere Strategie: «Ich bin eher Team Learning by Doing.»

Welche Disziplinen die beiden am 19. September genau erwarten, wissen sie noch nicht. Klar ist jedoch: Präzision, Fahrzeuggefühl, Geschwindigkeit und Teamarbeit werden auch in Warschau eine wichtige Rolle spielen.

26 Teams treten an der Tram-EM gegeneinander an. Mit welchem Ziel geht ihr ins Rennen?

Bei allem Ehrgeiz soll vor allem das Erlebnis im Vordergrund stehen. Anina möchte eine gute Zeit haben, andere Tramfahrerinnen und Tramfahrer kennenlernen und Warschau erleben. Ganz ohne sportlichen Ehrgeiz geht es für Valentin allerdings nicht: «Wenn man schon teilnimmt, möchte man natürlich auch zeigen, was man kann.» Sollte es am Ende nicht für die vordersten Plätze reichen, sei das aber kein Grund, enttäuscht nach Hause zu fahren. Dafür sei die Erfahrung an sich schon zu besonders.

Und was wäre, wenn ihr tatsächlich als Tram-Europameister nach Zürich zurückkehrt?

Bei diesem Gedanken müssen beide lachen. «Das wäre schon was ganz Besonderes», sagt Valentin. Soweit er wisse, habe Zürich die Tram-EM noch nie gewonnen. Ein Sieg wäre deshalb nicht nur für die beiden persönlich, sondern auch für die VBZ ein grosser Meilenstein. Am Arbeitsalltag würde sich danach aber wohl wenig ändern. «Wir wären immer noch dieselben Mitarbeitenden und würden unsere Arbeit ganz normal weitermachen», meinen Beide lächelnd. Anina hat allerdings schon eine Idee, wie sie einen möglichen Sieg feiern würde: «Ich würde wahrscheinlich eine Weile mit der Medaille herumlaufen.», sagt sie zwinkernd.

Bevor es so weit ist, wartet auf die beiden aber erst einmal Warschau und offenbar eine ziemlich lange kulinarische Liste. Von Kolleginnen und Kollegen hätten sie bereits zahlreiche Tipps erhalten, was sie in Polen unbedingt probieren müssten. Nun fehlen nur noch zwei Dinge: starke Nerven und die nötige Portion Glück. Wir drücken Anina und Valentin für den 19. September die Daumen!

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