Die VBZ-Linien sind Zürichs Lebensadern. Schnurgerade oder mit Ecken und Kurven verlaufen sie kreuz und quer durch die ganze Stadt. Dabei hat jede dieser Linien ihren Charakter, der geprägt ist von den Fahrgästen und der Strecke. In einer losen Serie gehen wir ihren Persönlichkeiten mit einem Augenzwinkern auf den Grund. Diesmal: Was macht der Fahrplanwechsel 2025/26 mit den betroffenen Tramlinien?
Was macht man mit einer Gruppe von Tramlinien, die allesamt an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen? Ihre Weichen neu stellen müssen? In unseren Linien-Psychogrammen hatten wir die verschiedenen «Persönlichkeiten» unserer Tramlinien vorgestellt. Doch jetzt, am vergangenen Fahrplanwechsel, mussten viele von ihnen neue Richtungen einschlagen: Manche nur für ein Jahr, andere für immer. Werden sie noch dieselben sein wie vorher, oder geraten sie etwa aus dem Takt? Wir haben ein fiktives (und freilich nicht ganz ernst gemeintes) Treffen im Depot arrangiert, bei dem wir uns – unter der Leitung eines Multifunktionsfahrzeugs als Coach – nach der Gemütslage der verschiedenen Linien erkundigt haben. Das Ergebnis sei hier festgehalten.
Multifunktionsfahrzeug: Kolleginnen und Kollegen! Am letzten Fahrplanwechsel ist ein Ruck durch unsere Fahrzeuge gegangen. Wir müssen jetzt zusammenstehn, äh, fahren!
Linie 3 (maliziös): Was für ein Ruck? Ich fahre seit 1939 zwischen Albisrieden und Klusplatz und werde das weiter tun.
Andere Tramlinien: Buhhhhh!
Linie 2: Fast 90 Jahre tagein, tagaus die gleiche Strecke – da schläft einem ja der Pantograph nur schon vom Zuhören ein.
Multifunktionsfahrzeug (zieht eine gelbe Karte): Das ist eine achtsame Gesprächsrunde. Keine wertenden Kommentare, meine Herrschaften!
Linie 4 (grimmig): Ich habe neuerdings Arbeitszeiten wie ein Arzt: Alle 3.75 Minuten hoch ins Spital, ein ganzes Jahr lang. Gewerkschaft!!
Linie 2: Du willst doch eine Kulturlinie sein. Jetzt fährst du zum Tram-Museum – so oft wie niemand zuvor. Betrachte es als Ehre.
Linie 3: Auch Beständigkeit ist eine Ehre. Zum Beispiel bei den VBZ – deren Mitarbeitende bringen es nicht selten auf 30 Jahre im Betrieb. Es liegt in der Familie.
Linie 2: Ich bin froh, neu zum Klusplatz fahren zu dürfen. Zuletzt bin ich 1931 auf einen Hügel gefahren – vor 95 Jahren, nach Rehalp. Seither: nichts als flaches Gelände. Wer rastet, der rostet! Das gilt ganz besonders für ein Tram.
Linie 5 (schneuzt betrübt etwas Sand vor sich aufs Gleis): Sagt nichts von Hügeln. Im 2026 ende ich am Stadelhofen. Ich bin zu Höherem geboren. Zum Zoo. Ach, wie werde ich den Zoo vermissen. Und die Kinder, die mit mir mitfahren.
Linie 4 (tröstend): Du bist unsere kleine Raupe. Wart’s ab: Bald wirst du zum Schmetterling. Und fährst wieder Kinder – ins Kispi. Das ist verantwortungsvoll!
Linie 11: Rehalp, Klusplatz, Buchegg und Milchbuck – ich hab sie alle gesehen, die Hügel. Endlich darf ich auch mal ein bisschen entspannen und Leute in Badesachen zum See bringen.
Linie 15: Vielleicht wäre Fussball eher dein Ding als Wassersport, Elf. Die wenigsten Fahrgäste fahren in Badesachen durchs Seefeld.
Linie 11: Sagt eine Linie, die eine der kürzesten Strecken fährt.
Linie 15: Size doesn’t matter!
Multifunktionsgerät (räuspert sich)
Linie 11 und 15 gleichzeitig: So schön, dürfen wir zu zweit durchs Seefeld fahren!
Multifunktionsgerät: Wer hat noch nichts gesagt? Linie 8?
Linie 8 (singt): Was soll ich sagen? Escher-Wyss-Platz – Bäm! Prime Tower – Bäm! Bäcki – Bäm! Und jetzt noch der Zoo. Die besten Spots von Zürich – strike! (singt) I’m sexy and I know it!
Alle anderen: Buuuuh!
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