Die Stadt Zürich steht hinter dem Tram Affoltern

Grosse Infrastrukturprojekte wie die Planung und der Bau einer Tramlinie im Quartier Affoltern sind komplex und langjährig. Gesamtprojektleiter René Volken sowie Oliver Tabbert, Teamleiter Infrastrukturmanagement, sind von Anfang an dabei. Wie beide diese Zeit erlebten, und wie es weitergeht, das verraten sie im Interview.

René Volken, Projektleiter Infrastruktur (rechts) und Oliver Tabbert, Projektleiter Marktentwicklung, sind von Beginn an im Projekt dabei. Foto: Niklaus Spoerri, Zürich

Bereits vor zehn Jahren habt ihr für vbzonline ein Interview gegeben, am Anfang des Projekts. Beide seid ihr noch dabei. Wie ist es gelaufen?

Oliver Tabbert: Gestartet ist das Tramprojekt ja noch früher, im Jahr 2013 mit der Machbarkeitsstudie. Aber die intensive Auseinandersetzung mit dem Vorhaben und seinen komplexen Herausforderungen begann tatsächlich mit den Projektierungsarbeiten ab 2016. In dieser Zeit haben wir viele Erfahrungen gesammelt – und sind natürlich auch etwas älter geworden.
Renè Volken: Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Und klar, bei solch einem grossen Projekt gibt es ganz viele Herausforderungen. Aber wir konnten uns stets auf ein sehr engagiertes Team mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Dienstabteilungen von Stadt und Kanton und die beauftragen Ingenieurbüros verlassen. Besonders freut mich, dass nicht nur wir beide noch mit dabei sind, sondern die meisten im Projektteam.

Die Zürcher Stimmbevölkerung hat am 14. Juni Ja zum Tram Affoltern gesagt. Was bedeutet das für euch persönlich und für das Projekt?

Oliver Tabbert: Ich freue mich über die grosse Zustimmung zum Projekt in allen Wahlkreisen, dies bei einer hohen Beteiligung. Das verdeutlicht doch den hohen Stellenwert des ÖV in der Stadt Zürich und motiviert das Team für die weitere Arbeit. Und dass das Projekt auch im Quartier mitgetragen wird, ist für uns besonders erfreulich.
René Volken: Stimmt. Wir identifizieren uns sehr mit dem Projekt und dem Quartier. Es freut uns, dass wir mit dem Tram für Affoltern ein attraktives Angebot schaffen. Das gute Resultat gibt zusätzliche Planungssicherheit – und Rückenwind für die anstehenden Debatten im Kantonsrat.

Was sind die nächsten Schritte und Meilensteine?

Oliver Tabbert: René hat es ja schon angedeutet, aktuell läuft die Vorberatung des Projekts beim Kantonsrat. Wir hoffen natürlich, dass die Kantonsbeiträge bis Ende Jahr bewilligt werden. Falls das Referendum ergriffen wird, gibt es 2027 noch eine kantonale Volksabstimmung.
René Volken: Ausstehend ist auch der Abschluss des Plangenehmigungsverfahrens durch das Bundesamt für Verkehr, und damit die Erteilung der Baubewilligung. Das Verfahren startete 2024 mit der öffentlichen Auflage des Projekts. Das Bundesamt prüft zum Beispiel, ob das Projekt den technischen Vorschriften entspricht und die bundesrechtlichen Bestimmungen einhält.

Nach ursprünglicher Planung wäre das Tram heute schon im Bau. Was sind die Gründe für die Verzögerungen?

Renè Volken: Bei so komplexen Projekten kann es aufgrund der Vielschichtigkeit und des grossen öffentlichen Interesses immer zu Verzögerungen kommen. Es gibt verschiedene Gründe wie veränderte Rahmenbedingungen, die Anpassungen im Projekt nötig machten. Zwischenzeitlich hatte der Kanton das Tramprojekt aus Spargründen ja sogar vorläufig zurückgestellt.

Was sind die grossen Herausforderungen an einem so grossen und langjährigen Infrastrukturprojekt wie dem Tram Affoltern?

René Volken: Es braucht einen langen Schnauf, aber das war allen Beteiligten von Anfang an klar. Wichtig ist es, die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Beteiligten und Betroffenen zu kennen, ernst zu nehmen und einen Konsens zu erarbeiten. Am Ende muss ein gutes, tragfähiges und mehrheitsfähiges Projekt entstehen – das haben wir erreicht.

«Am Ende muss ein gutes, tragfähiges und mehrheitsfähiges Projekt entstehen – das haben wir erreicht.» René Volken, Gesamtprojektleiter

Oliver Tabbert: Neben der fachlichen Expertise braucht es die notwendigen Ressourcen bei allen Beteiligten. Aber auch eine transparente Kommunikation ist sehr wichtig: Durch mehrere Informationsveranstaltungen, den regelmässigen Austausch mit Quartiervertreterinnen und -vertretern und nicht zuletzt mit dem Infocenter am Zehntenhausplatz, haben wir versucht, die Bevölkerung von Affoltern umfassend in die Planungen einzubinden. Das gute Abstimmungsresultat zeigt uns, dass es sich gelohnt hat.

Oliver Tabbert (links) und René Volken vor dem Infocenter am Zehntenhausplatz im Quartier Affoltern. Foto: Niklaus Spoerri
Oliver Tabbert (links) und René Volken vor dem Infocenter am Zehntenhausplatz im Quartier Affoltern. Foto: Niklaus Spoerri, Zürich

Gibt es Entscheidungen in der Planung, die ihr heute anders treffen würdet?

René Volken: Nein. Wir können wirklich sagen, dass wir unter Berücksichtigung aller Anforderungen das bestmögliche Projekt ausgearbeitet haben. Wir haben mit allen Anspruchsgruppen von Beginn an das Gespräch gesucht – im Quartier, mit Vereinen, dem Gewerbe und den vom Landerwerb betroffenen Personen. Das hat sich auch ausgezahlt.
Oliver Tabbert: Da stimme ich René definitiv zu. Das Projekt Tram Affoltern ist komplex und betrifft viele Interessensgruppen. Wie in jedem Projekt gibt es Entwicklungen, die nicht vorhersehbar sind oder Bedürfnisse, auf die man flexibel reagieren muss. Wir sind sehr zufrieden mit der gemeinsam erarbeiteten Lösung und freuen uns auf die weitere Arbeit und die Umsetzung des Projekts.

Herzlichen Dank für das Interview und weiter viel Erfolg.

Alle Informationen zum Projekt Tram Affoltern finden Sie unter 
www. vbz.ch/affoltern .

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