Der erste Game Boy

War Kult zu seiner Zeit: Der Game Boy mit einer Auswahl an Spielen.

Mit ihrer neuesten Inseratekampagne wecken die VBZ Erinnerungen an die Jugendjahre der «Generation Ü50», um diese zum Einsteigen als Busfahrer*in oder Trampilot*in zu gewinnen. Dazu schwelgt Autor Thomas Wyss in seinen Erlebnissen. Heute erinnert er sich an die Zeit, als er sich mit dem Gameboy die Zeit verkürzte.

Zum Auftakt ein Geständnis. Ich bin alt. Mein erstes Game-Erlebnis fand nämlich noch in der Steinzeit statt. Im übertragenen Sinn, klar. Aber wenn ich zurückdenke, wie meine Schwester und ich gegen Ende der 1970er-Jahre in den Ferien im Tessin jeweils vor der Glotze hockten und versuchten, mittels Drehknopf einen vertikalen Strich (der einen «Schläger» darstellen soll) so in Position zu bringen, dass er einen verpixelten Punkt (das dazugehörige «Bällchen») auf die andere Seite zurückbugsiert, ist der Begriff Steinzeit aus heutiger Sicht kaum falsch. Dieses mit dem TV verbundene Videospiel hiess «Pong», Hersteller war, und nach etwa einer Viertelstunde hat es uns jeweils derart gelangweilt, dass wir das Steuerungsmodul beiseitelegten und draussen Federball oder richtiges Ping-Pong spielen gingen.

Die nächsten zwei Evolutionsstufen war dann schon ziemlich steil

Stufe 1: «Phoenix»! Das Game bestand aus einer Tischkonsole mit farbigem Bildschirm und vier Knöpfen, mit deren Hilfe man sein Raumschiff hin und her manövrierte. Und dabei bestenfalls alle feindlichen Objekte – die meisten Phoenix-artige Vögel – kaputt ballerte, bevor diese das Raumschiff erledigten. Die Cleveren unter uns benutzten fürs Rumhauen auf den Knöpfen einen Fingergut aus Mutters Nähkiste, damit konnte der Schlagrhythmus erheblich gesteigert werden. Was essenziell war: Wer es im «Phoenix» in die elitäre Highscore-Liste schaffte, wurde auf dem Pausenplatz respektiert wie ein kleiner Mafia-Pate.

Stufe 2: «Donkey Kong»! Das orange Teil passte in den Hosensack, war aufklappbar, hatte einen LED-Bildschirm. Die Aufgabe: Mit dem lustigen Gorilla «Donkey Kong» einen heimtückischen Parcours bewältigen, der von Runde zu Runde noch etwas fieser wurde. Kaum war jemand durch, riss ihm jemand anders das begehrte Gerät aus der Hand. Die Sucht war so immens, dass ich es mit einem Freund gar mal während einer Mathi-Prüfung spielte (die dann eher mittelmässig herauskam).

All diese Sozialisierungsschritte, dieser Weg führte mich (und dazu einen beachtlichen Teil der Menschheit) zu einem Objekt namens «Game Boy». Also zu jenem Gegenstand, der 1990, als er auch in unseren Breitengraden zu kaufen war, die Zukunft vorwegnahm.

1 Der «Game Boy» vermittelte erstmals das heute alltäglich gewordene Gefühl einer schier unerschöpflichen Angebotspalette – da hatte es für jede und jeden Interessierten ein Spiel dabei (jedenfalls mit der Zeit, zu Beginn gab es für das heute als «Classic» bezeichnete Ur-Model nur das «Tetris»-Spiel)

2 Diese Qualität machte den «Game Boy» sozusagen «alterslos»: Bei seiner Markteinführung war ich bereits ein Twentysomething, also der Sturm-und-Drang-Phase des Gamens bereits entwachsen. Trotzdem war ich sofort angefixt. Genauso wie Teenager, die ich kannte, Familienväter, die ich kannte, «Silver Surfer», die ich kannte.

3 Er passte praktisch in jede grössere Jackentasche, hatte einen anständigen Preis (es ist lange her, ich meine aber mich an rund 130 Franken zu erinnern) und bot die Möglichkeit, einen aufladbaren Akku dazu zu kaufen – heute Standard, damals revolutionär. Dank dieser Eigenschaften war der «Game Boy» zwischen den drei heiligen «B’s» (Bett, Büro, Bar) immer und überall einsetzbar. Und er nahm fast schon prophetisch die «Technik muss permanent verfügbar sein»-Attitüde der Generation Z vorweg.    

4 Zudem war der «Game Boy» mit einer schier unfassbaren Verkaufszahl von 118,69 Millionen Stück, etwas, was es bis dahin noch nie gegeben hatte: Ein avantgardistisches Mainstreamprodukt. Wodurch er die nerdige Game-Welt ganz normalen Menschen zugänglich machte.

5 All dies gipfelte darin, dass man in den frühen 90er-Jahren zum ersten Mal überhaupt beobachten konnte, was heute Alltag ist: Menschen, die sitzend oder gehend leicht nach vorn gebeugt und mit voller Konzentration auf einem Handgerät herumdrücken und dabei die Aussenwelt komplett ausblenden.

War Kult zu seiner Zeit: Der Game Boy mit einer Auswahl an Spielen.

Später wurde das kleine Nintendo-Flaggschiff auch in den Varianten Pocket, Light, Color (mit Farbbildschirm) oder Advanced angeboten – alles irgendwie überflüssiger Schnickschnack, aber halt nun mal der Lauf der Dinge. Bleibt aus heutiger Sicht eigentlich nur eine Frage: Barbie hatte Ken, zu Superman gesellte sich Supergirl … wo aber war «Game Girl»?

Jetzt bitte einsteigen

Mit einer Inseratekampagne sprechen die VBZ gezielt über 50-Jährige an, um sie - und alle anderen Interessierten - zum Umstieg als Trampilot*in oder Busfahrer*in zu motivieren. https://vbz.jobs/weisst-du-noch-damals/

Hier bewerben Sie sich als Trampilot*in oder Busfahrer*in: vbz.jobs/einsteigen 

Parallel zu den Inseraten erscheinen hier Geschichten von Autor Thomas Wyss, der - passend zur Inseratekampagne - in seinen Erinnerungen schwelgt.

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