Für einige Tramlinien ist mit dem Fahrplanwechsel Ende 2025 eine neue Zeit angebrochen. Und damit auch für die Menschen, die sich an «ihre» Linie gewöhnt haben und Erinnerungen mit ihr verbinden. Im Rahmen eines Wettbewerbs haben Frauen und Männer jeden Alters ihre Geschichten rund um ihre Lieblingslinie mit uns geteilt. Lesen Sie hier die heiteren, nachdenklichen und berührenden Andenken an die «ursprünglichen» Linien 2, 4, 5, 8 und 11. Heute erzählt Alexandra Haas-Bauer, was sie mit der Linie 11 verbindet.
Es ist kurz nach sieben Uhr morgens. Bald muss ich los. Mein Opi sitzt jetzt schon im Bus, unterwegs in meine Richtung. Er wohnt im Rütihof, in Zürich-Höngg, ich in Wipkingen. Jeden Freitagmorgen besuche ich mit ihm den Bürklimärt, danach gehe ich direkt zur Arbeit. Es ist zu unserem Ritual geworden, das ich jeden Freitag immer wieder aufs Neue geniesse. Unsere gemeinsame Zeit, die wir beim Spazieren durch die Marktstände verbringen, ist kostbar geworden. Ich schätze sie sehr.
Nachdem ich in den 46er-Bus zugestiegen bin, fahren wir zuerst an den Stampfenbachplatz, wo wir schliesslich in das 11i-Tram umsteigen. Nicht mehr lange und wir erreichen unser Ziel: die Börsenstrasse.
Die Zeit verging. Aus der Haltestelle Börsenstrasse wurde die Haltestelle Kantonalbank, aus der Vorliebe für violette Rüebli wurde die Vorliebe für Stangensellerie – doch eines blieb unverändert: Das Ritual, mit meinem Opi freitagmorgens an den Bürklimärt zu gehen, zuerst mit dem 46er-Bus, danach mit dem 11i-Tram.
Vor einem Jahr in der Adventszeit trat mein Opi seine letzte Reise an. Irgendwie fast symbolisch, dass just kurze Zeit später die Stadthausanlage renoviert wurde und der Bürklimärt nun auf dem Münsterplatz zu Gast war. Es scheint, als hätte diese Auszeit nicht nur dem Marktplatz gegolten, sondern auch unserem gemeinsamen Ritual.
Unterdessen ist der Bürklimärt wieder an seinen ursprünglichen Ort zurückgekehrt. Und auch unser Ritual lebt weiter. Ich fahre wieder mit dem 11i-Tram in Richtung Bürkliplatz, zwar alleine, aber doch ist mein Opi irgendwie immer mit dabei.
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